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„Wer einmal mit dem Storchenvirus angesteckt worden ist“

Hobby-Ornithologe Holger Teichert spricht über den Weißstorch-Nachwuchs in diesem Jahr

Herzberg. Die ersten Jungstörche in der Region sind beringt. Der Löhstener und Rehfelder Storch-Nachwuchs kam zuerst an die Reihe, da die Jungvögel dort bereits kurz vor dem Flüggewerden sind. Am 26. Juni startet die große Tagestour von Nest zu Nest entlang von Elbe und Schwarzer Elster. SWB sprach mit Holger Teichert, Hobby-Ornithologe aus Kosilenzien.

 

Herr Teichert, wie steht  es in diesem Jahr um den Weißstorch-Nachwuchs in der Region?

 

Die große Trockenheit in diesem Frühjahr setzte den Vögeln natürlich zu. Der Knackpunkt für das Gedeihen des Weißstorch-Nachwuchses ist immer die Futtersuche zum Zeitpunkt des Schlüpfens. Die Altvögel müssen für die Kleinen mundgerechtes Futter finden. Das sind Insekten und Regenwürmer, die in die kleinen Schnäbel der Jungstörche hineinpassen müssen. Eine Maus hilft zu diesem Zeitpunkt wenig. Die Schnäbel der Altstörche können größere Futtertiere nicht zerteilen. Also ist es wichtig, an die Kleinfuttertiere zu gelangen, was bei lang anhaltender Trockenheit schwierig wird.

 

Zur Aufrechterhaltung der Population sind mindestens zwei Jungstörche pro Nest nötig. Das ist nicht immer der Fall. Etliche Nester blieben 2018 unbesetzt. Unsere Störche ziehen vornehmlich über die Ostroute gen Süden. Der Zugweg über Balkan, Türkei und Israel ist lang. Dort lauern Gefahren wie  ungeschützte Strommasten. Ausfälle treten so häufiger auf.  

 

 

Welche Orte steuern Sie und das Beringer-Team an?

 

Beringt wird zwischen Elbe und Schwarzer Elster. Der Raum Wittenberg und Jessen gehört ebenso dazu wie die Altkreise Herzberg und Bad Liebenwerda. Wir sind ein gut eingespieltes Team aus Naturfreunden. Guido Schmidt aus Wittenberg verfügt über die offizielle Beringerqualifikation. Peter Raschig und Karl-Heinz Michaelis koordinieren die Beringung in Jessen und im Landkreis Elbe-Elster.  

 

Welche Bedingungen stellen die Störche an einen idealen Nist-Ort?

 

Der Storch liebt Feuchtwiesen und Gewässernähe. Er wird dort heimisch, wo er zuverlässig passendes Futter findet. 

 

Inwieweit verfolgen Sie die Storch-Biografien, nachdem die Jungvögel beringt worden sind?

 

Mit der Markierung der Weißstörche erfolgt die Registrierung in der für uns zuständigen Vogelwarte auf Hiddensee. Mit dem ablesbaren Ring am Ständer der Tiere können Details über seinen Lebenslauf zusammen getragen werden. Das ist toll. Wurde ein Vogel gesichtet oder ist er verunfallt, laufen die Daten, sofern sie gemeldet werden, in der Vogelwarte zusammen. Aber nicht nur das. Der Storch liefert so ein kostbares Spiegelbild für andere Vogelarten und Kleintiere. Ist die Jungstorchenpopulation gering, lässt das beispielsweise Rückschlüsse auf die Situation anderer Vogelarten zu. Aussagen über die Verbreitung von Amphibien und kleinen Säugetieren, die er gern frisst, sind so ebenso zu gewinnen.   

 

Was fasziniert Sie persönlich an den Tieren?

 

Es ist in erster Linie die Arbeit in der Natur, die ich liebe. Der Weißstorch ist zudem ein imposanter Vogel. Wer einmal vom Storch-Virus gestochen worden ist, der wird davon nicht mehr „geheilt“.

 

Finden Sie alljährlich genug freiwillige Mitstreiter, die sich um die Störche bemühen?

 

 

Der Storch ist beliebt. Es ist nicht schwer, Menschen zu motivieren, mit anzupacken. Das Tier hat eine gute Lobby. Firmen, Stromversorger und Feuerwehren bringen sich gern ein, um dem Weißstorch das Leben angenehmer zu machen oder um zu helfen. Die envia und Elektromeister Ulf Lehmann aus Herzberg sind immer mit Fahrzeugen und Tatkraft zur Stelle, wenn sie gebraucht werden.